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Was ist das magische Viereck

Mit dem magischen Viereck werden vier wirtschaftspolitische Ziele bezeichnet, welche die staatliche Wirtschaftspolitik verfolgt. Sie wurden im § 1 des deutschen Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes aus dem Jahr 1967 formuliert und leiten sich aus den obersten Zielen einer marktwirtschaftlichen und demokratischen Gesellschaftsordnung – Gerechtigkeit, Wohlstand, Freiheit und Sicherheit – her. Diese Ziele verhalten sich zueinander inkongruent, sie lassen sich im Einzelnen ohne gegenseitige (negative) Beeinflussung praktisch kaum zu erreichen. Aus diesem Grund erhielt die Zielformulierung ihren Titel als „magisches“ Viereck: Nur mit quasi magischen Kräften seien alle Ziele gleichzeitig erreichbar.

Wirtschaftspolitische Ziele im magischen Viereck
Zu beachten sei bei der Betrachtung des magischen Vierecks stets, dass es sich nicht allein um ökonomische Ziele handelt. Die beiden Komponenten „Freiheit“ und „Sicherheit“ sind ebenso essenziell und stehen seit den 2000er Jahren im Zuge der Terrorabwehr und der damit verbundenen Eingriffe in die freiheitlichen Grundrechte der Bürger (die durch Informationsüberwachung eingeschränkt werden) zunehmend im Fokus der Betrachtung. Doch die rein wirtschaftlichen Ziele haben es ebenfalls in sich, denn sie sollen

  • Vollbeschäftigung beziehungsweise einen höchstmöglichen Beschäftigungsstand,
  • Preisstabilität bei gleichzeitigem
  • Wirtschaftswachstum sowie ein
  • außenwirtschaftliches Gleichgewicht

erreichen. Wenn es gelänge, diese Ziele gleichzeitig zu erreichen, bestände ein makroökonomisches Gleichgewicht. Diese Ziele wurden schon 1967 deshalb formuliert, weil man aus Erfahrung wusste, dass es in diesen Bereichen oft ungenügende Ergebnisse gibt und stets die Gefahr von Fehlentwicklungen droht. Daher sollen der deutsche Staat, die Sozialpartner und die Notenbanken ständig ihre Aufmerksamkeit auf diese Punkte richten. Kritiker meinten schon vor fast einem halben Jahrhundert, dass die gerechte Einkommensverteilung ebenfalls in den Zielkatalog gehört hätte.

Beeinflussung der Ziele im magischen Viereck
Die vier Ziele stehen nicht durchweg in Konkurrenz und Inkongruenz zueinander, einige Ziele harmonieren durchaus miteinander. So entwickeln sich das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigungsquote oft miteinander kongruent, diese Ziele müssen sich nicht widersprechen. Allerdings ist die Preisstabilität bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung nur schwer zu realisieren, auch können sich inländisches Wirtschaftswachstum und außenwirtschaftliches Gleichgewicht widersprechen, wie sich aktuell innerhalb der Euro-Krise zeigt. Die Zielkonkurrenz hängt allerdings auch von makroökonomischen Entwicklungen ab, denn ob sich die Wirtschaft in der Rezession oder in einer hochkonjunkturellen Phase befindet, wirkt sich auf das Verhältnis der vier Ziele zueinander gravierend aus. Der Staat muss leider eher in Rezessionsphasen eingreifen, weil in Wachstumsphasen die Zielkonflikte weniger gefährdend wirken.

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